Am Montag, dem 21. Jänner 2008, fand die Eröffnung und Weihe des neuen Musikschulgebäudes statt. Damit konnte ein zukunftsweisendes Projekt in Rekordzeit abgeschlossen werden. Zahlreiche Ehrengäste, an der Spitze LH Dr. Erwin Pröll, waren erschienen. Vor dem neuen Haus wurden die Gäste musikalisch durch die Stadtkapelle Retz empfangen. Der neue Orchestersaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. In seiner Festansprache wies LH Dr. Erwin Pröll darauf hin, dass es notwendig sei, in die Breite zu investieren ohne dabei auf die Spitze zu vergessen. Er lobte die beispielgebende Kooperation der Verbandsgemeinden, die wesentlich zum Gelingen des Projektes beigetragen habe. Die überregionale Bedeutung der Musikschule war auch mit ein Grund, dass LH Dr. Erwin Pröll eine finanzielle Sonderförderung in der Höhe von 100.000,-- Euro gewährte. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Bürgermeister der Verbandsgemeinden (Retz, Retzbach, Hardegg, Weitersfeld, Schrattenthal und Pulkau) geehrt. Dem Musikschulleiter Mag. Gerhard Forman wurde in Würdigung seiner Verdienste um die Musikschule der Titel „Musikschuldirektor“ verliehen. Die Feier wurde musikalisch von Ensembles der Musikschule (Schüler und Lehrer) umrahmt. Die Eröffnungsfeier fand ihren Abschluss mit der Nö. Landeshymne, vorgetragen vom gemischten Chor des Retzer Männergesangvereines.
Aus Anlass des Jubiläums "40 Jahre Musikschule Retz" wurde eine Doppel-CD produziert (rund 140 Minuten Musik). Das Programm reicht von Orgelmusik über Bläser- und Streicher-Ensembles, solistischen Auftritten bis zu Gesangsdarbietungen und Popmusik. Diese Doppel-CD repräsentiert praktisch das gesamte Angebot der Musikschule.
Die Doppel-CD ist im Sekretariat der Musikschule zum Preis von Euro 15,- erhältlich (online-Bestellung Euro 15,- + Versandspesen).
sekretariat@musikschuleretz.com
Hauptschuloberlehrer Rudolf Neubauer, geboren am 20.März 1942 in Göding (damals CSSR), ist die Gründung der Musikschule zu verdanken.
Die musikalische Laufbahn des Gründers der Musikschule begann etwa beim Eintritt in die Volksschule. Auf einer bei seinem Onkel aufgestöberten Geige lehrte ihn sein Vater, der auch Geige spielte, das Lied "Hänschen klein". Im Jahr 1952 spielte er bereits im Schülerorchester bei OSR Anton Skrobak nachdem er bei Frau Direktor Friederike Bauer die Grundlage des Geigenspiels erlernte.
Mit 12 Jahren durfte er schon im Kirchenchororchester mitwirken, wo er mit Herrn Alfred Halbwidl die 1. Geige spielte.
Während seines 5-jährigen Studiums in der Lehrerbildungsanstalt bei den Marienbrüdern in Wien führte er ein eigenes Streichquartett und ein eigenes Jahrgangsorchester. Nach 10 Lehrerposten in verschiedenen Orten des Bezirkes kam er nach Ableistung des Militärdienstes bei der NÖ. Militärmusik in Mautern und St. Pölten im Jänner 1965 an die Hauptschule nach Retz.
Das Musikleben der Stadt lag damals fast ganz im Sterben. Auch das Geyer-Richter Streichquartett, bei dem er die 2. Geige spielen durfte existierte nicht mehr. Die Kapelle Mandlburger war fast spielunfähig. Musikalische Messen konnten nicht mehr aufgeführt werden. Auswärtige Kapellen mußten die Festlichkeiten in Retz bestreiten. Direktor Kornherr, der dieses musikalische Tief in Retz anprangerte, zündete in Rudolf Neubauer den Funken und weckte den Gedanken, eine Musikschule zu gründen. Bereits 1967 gründete Rudolf Neubauer die Stadtkapelle Retz, die er bis zu einem Stand von 62 Musikern ausbaute und bis zur Kunststufe führte.
Mit über 1000 Stunden Arbeitszeit trieb er den Musikheimbau voran, in dem auch die Musikschule untergebracht wurde. Lange Zeit bekleidete er auch das Amt des Bezirkskapellmeisters der BAG Hollabrunn. Beim NÖ Blasmusikverband war er Juror bei Konzert- und Marschniusikwettbewerben bzw. Lehrer bei ungmusikerseminaren bzw. Prüfer für Jungmusiker-Leistungspriifungen. Er führte auch das alljährliche Bezirks-Blasmusikseminar in Retz ein.
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Für die unermüdliche Arbeit im Musikwesen wurden dem Gründer der Musikschule über ein Dutzend Auszeichnungen verliehen, u.A. am 1. Februar 1973 "Dank und Anerkennung für 20jähr. Tätigkeit als Sänger und Musiker von der Diözesankommission für Kirchenmusik der Erzdiözese Wien", am 23. Mai 1976 der Titel "Musikschuldirektor", am 27. Juni 1976 die "Silberne Ehrennadel des NÖBV" und am 27. März 1982 das "Verdienstkreuz in Silber vom Österreichischen Blasmusikverband für Verdienste um die österr. Blasmusik".
1966 - 1996
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Mit Wirkung vom 1. Jänner 1965 kam der Gründer der Musikschule an die Knabenhauptschule nach Retz, wo er sehr bald ein kleines Akkordeonorchester führte. Am 13. November 1965 richtete er das erste Erkundigungsschreiben an den Referenten der Kommission für das NÖ. Musikschulwesen, Herrn Prof. Walter Hofmann. |
Am 28. Dezember 1965 fand die erste Aussprache über die Gründung einer Musikschule in Retz statt. Anwesend waren:
Bgm.Kom.Rat. Rupert Rockenbauer +; Vzbgm. Dir. Anton Resch +; Stadtrat Franz Wieninger +
Gemeinderat Insp. Rudolf Neubauer (sen.) +
Professor Walter Hofmann +
Professor Kauber, Leiter der MS Eggenburg +
pr.VL Rudolf Neubauer +
Nach grundlegender Information erläuterte Herr Prof. Hofmann die konkreten Schritte zur Gründung einer Musikschule. Während dieser Besprechung traten auch erste Zweifel am Zustandekommen des Vorhabens auf.
Am 8. Februar 1966 fand eine Besprechung des inzwischen erstellten Proponentenkomitees statt:
Bgm. Kom.Rat. Rupert Rockenbauer +
Vzbgm. Dir. Anton Resch +
Stadtrat Johann Preyß +
Gemeinderat Dr. Franz Jell
pr.VL Rudolf Neubauer +
Herr Vzbgm. Anton Resch gibt dabei den Gemeinderatsbeschluß zur Kenntnis, in dem die Gründung der Musikschule beschlossen wurde.
Auf ein Ausschreiben des Lehrers Rudolf Neubauer meldeten sich 90 Schüler:
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15 Blockflöte 7 Violine 1 Bariton 6 Trompete |
4 Flügelhorn 10 Klarinette 12 Klavier 35 Akkordeon |
Am 1. März 1966 trat nochmals das Proponentenkomitee zusammen und am 3. März 1966 fanden die Einschreibungen statt.
Ein großes Problem war die Finanzierung. Die Stadtgemeinde stellte 15 000,- S bereit und die Sparkasse der Stadt Retz stellte ein Startkapital von 20 000,- S zur Verfügung. Die Lehrergehälter und sonstigen Ausgaben sollten durch das eingehobene Schulgeld bestritten werden. Da der Leiter und die Lehrer als wahre Idealisten arbeiteten, war dies lange Zeit möglich.
Es wurde gleichzeitig beschlossen, die Musikschule durch ein Kuratorium, welches von der Gemeindevertretung beschickt werden sollte, verwalten zu lassen. Das Proponentenkomitee wurde aufgelöst.
Am 29. März 1966 fand die konstituierende Sitzung des Kuratoriums der Musikschule Stadt Retz statt:
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OBMANN. Vzbgm. Dir. Anton Resch + OBM. STV: Gemeinderat Dr. Franz Jell KASSIER: Gemeinderat Insp. Josef Schreier LEITER: pr. VL Rudolf Neubauer + Stadtrat Franz Wieninger + Stadtrat Johann Preyß + Lehrer Josef Reiterer
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Am 27. Juni 1966 traf der Bescheid des Landesschulrates für NÖ. ein, mit dem die Errichtung einer Musikschule nicht untersagt wurde. Der pr.VL Rudolf Neubauer wurde zum Leiter bestellt.
Ohne Rücksicht auf Schwierigkeiten begann auch das 2. Schuljahr. Im Pilgramhof (Fenth) wurde ein Raum für die Bläser zur Verfügung gestellt. Hier stand die Wiege der Stadtkapelle Retz. Die Stadtkapelle Retz - ein eigener Verein - war der erste Erfolg der Musikschule.
Die Probleme blieben die Jahre hindurch gleich: Raum- und Lehrerproblem, Instrumente und Finanzierung. Neue Kuratorien wurden gewählt. Leider zeigten einige Mitglieder sehr wenig Interesse und wirkliche Unterstützung. Die Schülerzahlen geben jedoch ein Bild der positiven Entwicklung der Musikschule.
Im Jahr 1987 konnte durch eine Gemeinschaftsaktion der Musikschule Retz mit der VS Retz, der Elternvereinigung der VS und der Stadtgemeinde Retz ein Konzertflügel angeschafft
werden. Nun war es möglich, hochrangige Veranstaltungen durchzuführen. Der Flügel fand nämlich einen Platz im ehemaligen Refektorium und nunmehrigen Festsaal der Volksschule. Musikpädagoge Prof.
Christian Exel - er war auch künstlerischer Leiter und Intendant der Weinviertler Schlosskonzerte "MUSICA EXCELSA" (früher Kulturfestival im Weinviertel) - ist mit großem Einsatz um das
Zustandekommen solcher musikalischen Höhepunkte bemüht.
Große Schwierigkeiten bereitete immer qualifizierte Musiklehrer zu verpflichten. Außerdem entstanden hohe Kosten durch Fahrtspesen. Doch bald besuchten ehemalige Schüler Kurse und machten die
Musiklehrerprüfung. Außerdem besuchten bzw. besuchen auch jetzt viele Absolventen der Musikschule die Musikhochschule oder das Konservatorium. Derzeit unterrichten mehrere ehemalige Schüler an der
Schule. Durch die starke Expansion der Musikschule und durch die steigenden Schülerzahlen war das Raumproblem omnipräsent.
Im Laufe der Zeit erlangte die Musikschule einen sehr guten Ruf. Hohes musikalisches Niveau erbrachte eine Leistungssteigerung bei den Musikkapellen des Einzugsgebietes und Erfolge bei diversen
Wettbewerben. Eine besonders ehrenvolle Aufgabe wurde dem "Retzer Klarinettenquartett" (Klasse ML Riedl Georg) zuteil. Das erfolgreiche Auftreten beim NÖ. Bläserkammermusikwettbewerb im Schloß
Zeillern führte dazu, dass das Ensemble vom NÖ. Blasmusikverband als einer der Vertreter Niederösterreichs zum Bundeswettbewerb "Spiel in kleinen Gruppen" entsandt wurde. Dieser Bewerb fand am
25.10.1992 in Bruneck, Südtirol statt. Das Quartelt (Barbara Schuch, Michaela Hebenstreit, Irene Wurst, Martin Greylinger) rechtfertigte seine Entsendung und konnte einen "Ausgezeichneten Erfolg" in
der Stufe C (=schwer spielbare Musik) erzielen. Schüler von Seefeld bis Drosendorf und Maissau besuchten die Schule. Etliche Filialen wurden auf Wunsch errichtet. Die Kosten wurden mit der Zeit nicht
mehr tragbar. Die Gemeinde brachte auch den Differenzbetrag zwischen Einnahmen und Ausgaben für die "auswärtigen" Schüler auf. Das "Niederösterreichische Landesmusikschulgesetz" verlangte bestimmte
Auflagen für die Anstellung von Musikschullehrern. Die Stadtgemeinde erfüllte die Anstellungserfordernisse sehr bald, doch blieben die versprochenen Landessubventionen noch lange aus. Eine sehr hohe
Verschuldung war die Folge. Hier sprang nun wieder die Weinviertler Sparkasse ein und ist der Musikschule bis heute behilflich, den Schuldenberg abzubauen.
Durch die Gründung des "Gemeindeverbandes der Musikschule Retz "(1992) mit den Gemeinden Hardegg, Retzbach, Schrattenthal und Weitersfeld konnten auch die finanziellen Probleme in den Griff bekommen
werden.
Viele Solistenabende, Elternabende, Schlußkonzerte, Adventmusiken, Benefizkonzerte, Festsitzungen, Lehrerkonzerte, Ensemblekonzerte, Mitwirkungen und Teinahmen an Wettbewerben zeigen die Vitalität
der Musikschule.
Daß sich die Musikschule in den vergangenen 40 Jahren so erfolgreich entwickeln konnte, ist der wohlwollenden Haltung ihrer Freunde und Gönner, aber auch dem Vertrauen der Eltern sowie der Begabung
und dem Fleiß der Schüler und Lehrer zu danken.